Samstag, 11. Oktober 2014

Erlebnis Zoo Hannover - Teil XI


Nach dem Besuch der Schimpansen ging es zu den Orang-Utans (Nummer 23). Diese waren zusammen mit weiteren Tieren wie Faultiere und Gold-Agutis in einer separaten Anlage untergebracht.

Vor dem Eingang der Anlage hatte man schon einen Blick auf das Außengehege der Orang-Utans, dieses habe ich allerdings erst beim herausgehen bemerkt. Und auch wenn wir dort eine lange Pause gemacht hatten habe ich die Orang-Utans in dem Gehege nicht fotografiert, denn dieses fand ich wirklich nicht sehr schön. Zwar wirkten die Orang-Utans sehr beschäftigt und waren aktiv, aber mir gefiel es so ganz und gar nicht.

Das mir das Gehege nicht gefiel und ich davon keine Fotos gemacht habe kann aber auch an den kleinen und großen Orang-Utans hinter/vor der Scheibe gelegen haben, die auch hier der Meinung waren ganz dicht an die Scheibe zu gehen und mit ihren Kameras zu blitzen und die kleinen natürlich gegen die Scheiben zu kloppen ... Da fragte man sich dann wirklich wer der Affe ist. Kinder hin oder her, wenn der Erwachsene daneben steht ist die Frage dann umso mehr berechtigt! ;-)

Nachdem wir uns die anderen Tiere, die in der Anlage zu sehen waren angeschaut hatten ging es zu einem Orang-Utan Weibchen. In dem Innengehege war sie tatsächlich die einzige gewesen, weswegen sich viele Besucher auch fragten, warum sie alleine dort ist.

Der Besuch bei ihr war vergleichsweise sehr lang, und ich wäre auf der einen Seite schon gerne länger dort geblieben auf der anderen Seite aber auch nicht. Das Orang-Utan Weibchen zu beobachten gehörte für mich persönlich tatsächlich mit zu den emotionalsten Eindrücken.





Ich habe mit dem 70-300 Objektiv fotografiert die meiste Zeit bei ISO 3200, da sie ständig in Bewegung war und ich nicht zu stark verwackelte Fotos haben wollte. Später als sie mit der Decke beschäftigt war (weiter unten) habe ich ISO 640 gewählt, um das Rauschen zu verringern, aber auch mal ISO 1000 und 1250. Hauptsächlich habe ich mit Blende f/4 und f/4.5 fotografiert. Da ich das Telezoomobjektiv verwendet hatte musste ich auf die Spieglungen achten. Aufgrund der Umgebung wollte ich hautsächlich Portraits von der Orang-Utan Dame machen, mit dem Wunsch, dass auch ihr Blick zu mir gerichtet ist.

Die Umgebung, der fehlende Pol-Filter sowohl die zusätzlichen Besucher die direkt an der Scheibe saßen, mir vor die Linse liefen und/oder von hinten blitzten erschwerte einiges. Aber mit etwas Geduld wurde es leerer und mir boten sich gute Gelegenheiten meine Aufnahmen zu machen.

Wie so oft ist mein persönliches Erlebnis durch den Sucherschauen nicht vergleichbar, als wenn ich mir die Situationen normal anschaue. So fand ich dieses "Fotoshooting" auch wieder deutlich intensiver. Was wohl an der Möglichkeit liegen kann, dass ich mit dem Objektiv zoomen kann und beim durch den Sucher schauen quasi von allem drum herum abschottet bin.

Wir haben die Orang-Utan Dame hauptsächlich beim Essen beobachtet und wie selbst ihr "Reich" sowohl die anderen Besucher beobachtete.



Die Orang-Utans (Pongo) sind eine Primatengattung aus der Familie der Menschenaffen (Hominidae). Von den anderen Menschenaffen unterscheiden sie sich durch ihr rotbraunes Fell und durch ihren stärker an eine baumbewohnende Lebensweise angepassten Körperbau. Sie leben auf den südostasiatischen Inseln Sumatra und Borneo; die Bestände beider Inseln werden heute als zwei getrennte Arten – Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus) und Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) – geführt.
 
Die Bezeichnung „Orang-Utan“ stammt von den malaiischen Wörtern „orang“ (Mensch) und „utan“ oder „hutan“ (Wald) und bedeutet demzufolge „Waldmensch“. In europäischen Sprachen erschien dieser Name erstmals 1631.[5] Laut Brehms Tierleben behaupten „die Javaner [...], dass die Affen wohl reden könnten, wenn sie nur wollten, es jedoch nicht täten weil sie fürchteten, arbeiten zu müssen.“ In lokalen Sprachen der Region sind auch die Bezeichnungen maias oder mawas gebräuchlich.
 
 
Orang-Utans erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 1,25 bis 1,5 Metern. Hinsichtlich des Gewichtes herrscht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus: Männchen sind mit 50 bis 90 Kilogramm nahezu doppelt so schwer wie Weibchen, die 30 bis 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Tiere in Gefangenschaft neigen hingegen dazu, deutlich schwerer zu werden, Männchen können dabei ein Gewicht von nahezu 200 Kilogramm erreichen. Die Sumatra-Orang-Utans sind im Allgemeinen etwas leichter und zierlicher als ihre Verwandten auf Borneo. Das eher dünne und zottelig wirkende Fell der Orang-Utans ist dunkelrot oder rötlich braun gefärbt – bei den Tieren aus Sumatra meist etwas heller.
 
Die Gliedmaßen dieser Tiere zeigen starke Spezialisierungen an eine baumbewohnende Lebensweise. Die Arme sind sehr lang und kräftig und können eine Spannweite von 2,25 Metern erreichen. Die Hände sind hakenförmig und langgestreckt, der Daumen hingegen sehr kurz und nahe an der Handwurzel lokalisiert. Die vergleichsweise kurzen Beine sind sehr beweglich und nach innen einbiegbar, was dem senkrechten Klettern an Baumstämmen dient. Die Großzehe ist analog zum Daumen verkürzt und relativ nah an der Fußwurzel angebracht, die übrigen Zehen sind hingegen verlängert und gebogen. Insgesamt erwecken die Füße dadurch einen handähnlichen Eindruck.


 
 
Wie alle Menschenaffen sind Orang-Utans tagaktiv. Sie haben zwei Aktivitätshöhepunkte, einmal am Vormittag und einmal am späten Nachmittag, in der Mittagszeit halten sie Rast. Zur Nachtruhe errichten sie sich ein Nest aus Ästen und Blättern. In der Regel bauen sie jede Nacht ein neues Nest, gelegentlich wird dasselbe zweimal verwendet.
 
Sie sind vorwiegend Baumbewohner. Dort bewegen sie sich hauptsächlich fort, indem sie langsam mit allen vier Gliedmaßen klettern oder auf den Ästen gehen – ihre Bewegungen sind aber gemächlicher als beispielsweise die der Gibbons. Insbesondere wenn sie es eilig haben, schwingen sie an den langen Armen (Brachiation). Um von einem Baum auf den anderen zu gelangen, können sie, um die Distanz zu verringern, diese in heftige Schaukelbewegungen versetzen.
 
Orang-Utans kommen selten auf den Boden. Oft geschieht dies nur, um von einem Baum zum nächsten zu kommen, wobei ihre Bewegungen vorsichtig und scheu sind. Erwachsene Männchen können hingegen manchmal sogar Streifzüge auf dem Boden unternehmen. Dieses Verhalten ist bei der borneanischen Art häufiger, vermutlich weil es dort im Gegensatz zu Sumatra keine Tiger gibt. Ihre Fortbewegung auf der Erdoberfläche ist ein vierfüßiges Gehen; im Gegensatz zu den afrikanischen Menschenaffen (Schimpansen und Gorillas) bewegen sie sich nicht im Knöchelgang fort, sondern stützen sich entweder auf die Fäuste oder auf die Innenkanten der Hände.
 
 
Orang-Utans haben mehrere Revierstrategien und können als „ansässige Tiere“, „Pendler“ und „Wanderer“ bezeichnet werden.
„Ansässige Tiere“ bewohnen feste Territorien. Bei Weibchen umfassen diese rund 70 bis 900 Hektar und können sich mit den Revieren anderer Weibchen überschneiden. Die Territorien der Männchen sind mit 4000 bis 5000 Hektar deutlich größer und überlappen sich meist mit denen mehrerer Weibchen. Die Länge der täglichen Streifzüge hängt mit der Reviergröße zusammen; sie dienen aber nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern bei Männchen auch dem Kontakt mit den Weibchen oder der Suche nach etwaigen männlichen Konkurrenten.
Die Mehrzahl der männlichen Orang-Utans etabliert jedoch kein festes Territorium, sondern zieht als „Pendler“ oder „Wanderer“ umher. „Pendler“ halten sich nur für einige Wochen oder Monate in einem Gebiet auf und wechseln mehrmals im Jahr ihren Aufenthaltsort. Oft sind sie im darauffolgenden Jahr wieder in den gleichen Gebieten anzutreffen. Die Aufenthaltsorte der „Pendler“ können mehrere Kilometer auseinander liegen, die Streifzüge dieser Tiere sind dementsprechend deutlich länger als die der ansässigen Orang-Utans. Junge erwachsene Männchen sind meist „Wanderer“, sie sind nie lange in einem Gebiet anzutreffen, sondern ziehen beständig umher. Wenn sie älter werden, können sie manchmal ein festes Revier etablieren oder aber zeitlebens Wanderer bleiben.
 
Orang-Utans sind hauptsächlich Pflanzenfresser. Mit rund 60 % stellen Früchte den größten Bestandteil ihrer Nahrung dar, dabei nehmen sie oft Früchte mit harten Schalen oder Samen zu sich. Außerdem verzehren sie auch Blätter, junge Triebe und Rinde. Tierische Nahrung spielt nur eine untergeordnete Rolle. Gelegentlich verzehren sie aber Insekten, Vogeleier und kleine Wirbeltiere. Die sumatrische Art scheint einen etwas größeren tierischen Anteil in ihrer Nahrung zu haben als die Borneos. Durch die Verbreitung der Samen der gegessenen Früchte spielen sie eine Rolle für die Vermehrung mancher Pflanzen.
Bei der Nahrungsaufnahme sitzen sie entweder oder hängen an den Ästen, wobei ihr Körpergewicht diese nach unten biegt, was es ihnen erleichtert, an Früchte oder Blätter zu gelangen. Ihre kräftigen Arme erlauben es ihnen, auch dickere fruchttragende Äste umzubiegen oder manchmal sogar abzubrechen.
 
 
 
 
Das Verbreitungsgebiet der Orang-Utans ist seit dem Pleistozän stark zurückgegangen. Heute sind beide Arten stark bedroht. Die Gründe dafür liegen in erster Linie in der Zerstörung ihres Lebensraumes, daneben in der Bejagung und im Handel – insbesondere mit Jungtieren. Verschärft werden diese Faktoren durch die langsame Reproduktionsrate der Tiere.
Hauptbedrohung stellt heute die Zerstörung ihres Lebensraumes dar. In großem Ausmaß werden Wälder gerodet, einerseits zur Holzgewinnung, andererseits zur Errichtung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Neuerdings gefährdet die starke Nachfrage nach Palmöl zunehmend die Habitate der Orang-Utans. Malaysia und Indonesien, die beiden Länder, in denen Orang-Utans leben, zählen zu den Hauptproduzenten dieses Produktes.
Die Bejagung stellt einen weiteren Faktor dar. In manchen Gegenden – etwa im Inneren Borneos – wird ihr Fleisch gegessen. Darüber hinaus werden sie mancherorts gezielt verfolgt, wenn sie auf der Nahrungssuche in Obstplantagen eindringen. Ihre Größe und ihre eher gemächlichen Bewegungen machen sie zu einem leichten Ziel für Jäger. Hinzu kommt, dass Jungtiere gefangen und als Haustiere verkauft werden, was meist mit der Tötung der Mutter einhergeht. Insbesondere in Taiwan gelten Orang-Utans als ideale Haustiere, einer Schätzung aus dem Jahr 2002 zufolge werden wöchentlich zwei Tiere aus Borneo herausgeschmuggelt.[15] Da Orang-Utans im Washingtoner Artenschutz-Übereinkommen (CITES) gelistet sind, sind solche Praktiken illegal.
Darüber hinaus sind diese Tiere durch die Übertragung von Krankheiten gefährdet. Durch ihre enge Verwandtschaft mit dem Menschen können sie etwa an Hepatitis, Cholera, Malaria und Tuberkulose erkranken, die beispielsweise durch die zahlreichen Kontakte in Nationalparks mit Wildhütern und Touristen übertragen werden.
 
Der bedeutendste natürliche Feind der Sumatra-Orang-Utans ist der Sumatra-Tiger. Der auf Sumatra und Borneo lebende Nebelparder wird heranwachsenden Tieren und Weibchen gefährlich, kann aber ausgewachsene Männchen in der Regel nicht erlegen. Weitere Bedrohungen stellen manchmal Krokodile und verwilderte Haushunde dar.

Quelle und weitere Informationen: Wikipedia

 
 


 
Auch wenn es in dem Foto unten so aussieht, als hätten wir mehr oder weniger "Blickkontakt" gehabt, war es aber nicht so. Der Blick galt den Menschen die direkt vor der Scheibe saßen ;-)
 
Ursprünglich waren diese Fotos alle die ich gemacht hätte. Wenn das Interesse an den kleinen Pieper von dem ich euch im ersten Blog-Eintrag geschrieben hatte nicht gewesen wäre, wären wir nicht ein zweites Mal in die Anlage gegangen. So kann man es also dem Piep Matz verdanken, dass ich weitere Fotos machen konnte :-)
 
 
 
Bei unserem zweiten Besuch war die Orang-Utan Dame dann mit einer Decke beschäftigt.
Welche Hintergründe das "Spielen" mit der Decke hat, können wir natürlich nicht beurteilen. Aber man kann spekulieren. Ein kleiner Zeitvertreibt, wirkliches Spielen, der Wunsch sich zu bedecken um es dunkler zu haben, zu schlafen ... oder nicht mehr begafft und fotografiert zu werden?

 

 
Sie zog sich mehrmals die große Decke über den Kopf, schwang sie umher, legte sie mal so und mal so hin. Das ganze Vorgehen wirkte sehr konzentriert. Für mich hatte es tatsächlich den gleichen Effekt gehabt, wenn man Kindern beim spielen zu sieht. Sie wirken wie in ihrer eigenen kleinen Traumwelt, so auch die Orang-Utan Dame.
 
 


Als sie sich auf den Boden hinlegte, die decke an sich zog und sich ein wenig bedeckte, erinnerte ihr Verhalten wirklich an menschliches Verhalten. Die Tatsache, dass man es nicht deuten kann, sowohl die Tatsache dass Menschen eigene Emotionen auf Tiere projizieren und meinen die Tiere fühlen sich so, nur weil man selbst bestimmte Gefühle hat, machte es mir erst recht unmöglich die Situation "neutral" zu beobachten und deuten. Zwar hatte ich noch keine Tränen in den Augen, aber einen dicken Kloß im Hals ...

Dennoch schien es zu sein, als würde sie mit dem kleinen Stöckchen zu spielen ... aber das wirkte ziemlich lustlos oder unentschlossen ... Mag für einige komisch klingen, aber irgendwie hätte ich mich gerne dazu gelegt, sie gestreichelt und in den Arm genommen ... für mich schien sie einfach Zuwendung zu brauchen ...



Nachdem sie sich in dieser Phase noch einmal die Decke über den Kopf zog, hatte ich das Gefühl, sie wollte nicht mehr fotografiert werden, da ich dieses Mal ganz vorne saß könnte das gut möglich gewesen sein. Weswegen ich meine Kamera auch eine Weile abnahm und sie so normal beobachtete. Wenige Sekunden später zog sie sich wieder die Decke ab und dann gab es kurzzeitig diesen einen Moment ... sie guckte mich an ... ich war von ihren Blick sehr ergriffen, und musste unbedingt ein Foto machen. Ich konnte genau ein Foto machen, danach senkte sie wieder den Blick und richtete sich wieder auf.


Während des Aufrichtens und Decke zurecht ziehen gab es einen weiteren Moment wo sich unsere Blicke trafen ... jedenfalls durch die Kamera schauend.



 
Sie schien nun auch keine Lust mehr auf das Spielen mit der Decke zu haben und so viele Besucher waren auch nicht mehr an der Glasscheibe ... weswegen sie sich aufrichtete und woanders hin bewegte und erst jetzt konnten wir ihre Größe und Körperbau deutlicher wahrnehmen. Gar nicht so klein, wie man annimmt ;-)
 
 
 


Wie gesagt, ich wäre sehr gerne noch viel länger dort geblieben ... aber wir wollten uns ja noch viele weitere Tiere anschauen ... ein letztes Foto, und dann ging es weiter.




Weitere Fotos aus dem Erlebnis-Zoo Hannover zeige ich euch dann aber im nächsten Blog-Eintrag, das aber voraussichtlich erst nächste Woche veröffentlich wird. Daher wünsch ich euch jetzt schon mal ein schönes Wochenende!

Bis bald!


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