Montag, 7. September 2015

Edersee Teil I


Bevor ich euch etwas über den Edersee und meinen Fotos erzähle, möchte ich euch die kurze Dokumentation über den Edersee und die Edersee Talsperre ans Herz legen.
So erfahrt ihr direkt von Zeitzeugen und deren Nachfahren die Geschichte, die hinter dem Edersee steckt und warum der See eigentlich so besonders ist bzw. warum er aktuell bei Niedrigwasser so viele Besucher anlockt! ;-)




Für die, die lieber Lesen und sich die Texte übersetzen lassen hier eine kleine Zusammenfassung von dem, was auch im Video berichtet wird. Wenn ihr nicht die Zeit für das Video auffinden könnt, seit so lieb und lest euch wenigstens den Text durch ;-)



Der Edersee, auch Ederstausee genannt, ist mit 11,8 km² Wasseroberfläche und mit 199,3 Mio. m³ Stauraum der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig drittgrößte Stausee in Deutschland und liegt am Fulda-Zufluss Eder hinter der 48 m hohen Staumauer der Edertalsperre bei der Kernstadt von Waldeck im Landkreis Waldeck-Frankenberg (Nordhessen).
Die Edertalsperre (EdT) (Staumauer und Stausee) ist Eigentum der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, wobei das Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden zuständig ist. Zweck der Talsperre ist in erster Linie die Wasserbereitstellung für die Bundeswasserstraßen Oberweser und Mittellandkanal. Daneben dient sie auch dem Schutz der Unterlieger gegen kleine und mittlere Hochwasserereignisse, der Gewinnung elektrischer Energie und der Erholung.

Anlass für den Bau der Edertalsperre war die Verabschiedung eines Wasserstraßengesetzes in Berlin am 1. April 1905. Es beinhaltete den Neubau von Talsperren im oberen Quellgebiet der Weser und des Mittellandkanals bis Hannover, um damit den Betrieb des neu- oder auszubauenden Lippe-Seitenkanals, des Rhein-Herne- sowie des Dortmund-Ems-Kanals zu sichern. Welche Bedeutung man diesem Bauvorhaben beimaß, zeigte sich am Besuch Kaiser Wilhelms II. im August 1911 und in der ursprünglich für den 25. August 1914 geplanten offiziellen Bestimmungsübergabe der Staumauer durch den Kaiser, die jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht zustande kam. Der Entwurf des Stauwerks entstand unter der Leitung des Weserstrombaudirektors Wilhelm Otto Muttray, der auch maßgeblich für die Durchführung verantwortlich war. Hiermit wurde zudem einem von ihm entworfenen Hochwasserregulierungsplan Rechnung getragen.

Etwa 900 Menschen im Bereich des Stausees mussten ihre Heimat aufgeben und sich an anderer Stelle niederlassen. Die Dörfer Asel, Berich und Bringhausen, die im Tal der Eder lagen, wurden – nachdem sie abgerissen oder abgetragen waren – an höher gelegenen Orten oberhalb des neu entstehenden Edersees recht aufwändig und liebevoll neu errichtet. Von den Dörfern Nieder-Werbe und Herzhausen wurden Teile überflutet und die Bewohner jeweils in der Nähe in neue Höfe und Häuser umgesiedelt.

Im Zweiten Weltkrieg hoffte die Royal Air Force mit der Operation Chastise („Züchtigung“) mit der Zerstörung von Möhne-, Sorpe-, Ennepe- und Listertalsperre, Transportwege und Wasserversorgung der Rüstungsindustrie im Ruhrgebiet entscheidend zu treffen. Während dieser Operation sollte mit dem Angriff auf die Staumauer des Edersees die Wasserstandsregulierung von Weser und Mittellandkanal gestört werden.
Am 17. Mai 1943 kurz vor 2 Uhr nachts wurde die Ederstaumauer bei einem Angriff der britischen No. 617 Squadron („Dam Busters“) unter dem Kommando von Wing Commander Guy Gibson stark beschädigt:

Um die Netzsperren vor der Staumauer zu überwinden, wurde dabei eine speziell für diesen Zweck konstruierte Roll- oder Rotationsbombe eingesetzt, die von einer speziellen Vorrichtung an Bord eines Bombers des Typs Avro Lancaster in Rotation versetzt und dann abgeworfen wurde. Ähnlich wie beim Steinehüpfen, bei dem ein horizontal über das Wasser geworfener Stein flach über das Wasser springt, sprang die rotierende Bombe nach dem Abwurf erst über die Wasseroberfläche und dann über die Netzsperren hinweg in Richtung Staumauer. Danach sank sie wasserseitig vor der Mauer herab, und es detonierte ihr Sprengsatz in einer vordefinierten Tiefe. Durch die Explosion entstand in der Mauer eine halbkreisförmige Öffnung von etwa 22 m Höhe und an der Mauerkrone 70 m Länge. Durch diese strömten durchschnittlich 8000 m³ Wasser pro Sekunde aus – insgesamt rund 160 Millionen m³, was rund 80 % des Speicherraums ausmacht.
In der Folge ergoss sich eine 6 bis 8 m hohe Flutwelle durch das untere Edertal nach Fritzlar, Wabern und Felsberg und durch das Fuldatal (Kassel) zum Weserstein (Hann. Münden) und schließlich ins Wesertal. Die Flutwelle, die von den Anwohnern als eine weiß schäumende und laut grollende Gischt beschrieben wurde, führte dazu, dass hunderte Häuser sowie Fabriken, Eisenbahnstrecken, Straßen, Brücken und Bäume stark beschädigt, zerstört oder weggespült wurden. Die Flut verwandelte nicht nur die teils weit ausgedehnten Täler um die Schwalm-Eder- und Eder-Fulda-Mündung in einen teils mehrere Kilometer breiten „See“, sondern überflutete auch die rund 35 km von der Staumauer entfernte Niederung der Fulda im Kasseler Becken, so dass dort zum Beispiel Bettenhausen, die Unterneustadt und die Karlsaue mit der Orangerie vom Wasser heimgesucht wurde.






Ihr wisst, dass ich generell ein Naturliebender Mensch bin, weswegen ich mich immer an Seen, Flüssen, Wäldern - all die Landschaften die auch am und um den See gegeben sind erfreuen kann. Diese Landscchaften sind aber für mich genauso schön am Edersee wie an jeden anderen See auch. Die Geschichte um den Edersee ist aber genau das, wodurch der See auch für mich persönlich richtig interessant und einzigartig wird.

Als Kind habe ich die Geschichte um den Edersee von meinem Großvater erzählt bekommen, schließlich war das neue "Berich" (Neu-Berich) ganz in der Nähe und immer wenn wir zum Windhundrennen zwischen Volkmarsen und Neu-Berich fuhren, wurden mir die Geschichten zu Neu-Berich erzählt. Ich wusste bis vor wenigen Monaten, wie der See entstanden ist, aber so umfangreich wie es in der Dokumentation erzählt wurde war es mir nicht bewusst. Wodurch der See für mich an mehr Bedeutung dazu gewonnen hat und mich auch die Schicksalsschläge die damit einher gingen, egal wie viele Jahre nun dazwischen liegen, auch sehr bewegt haben. Daher betrachte ich den See auch mit anderen Augen ...

Vor dem Ausflug zum Edersee am 24. August 2015 - war ich vorher sagenhafte zwei Mal am Edersee!

Am 24.05.2009 fuhr ich mit dem Fahrrad von Mengeringhausen zum Edersee, das war auch mein erster Ausflug zum See. Was ich im übrigen niemals mehr wieder machen werde! :-D
Und am 22.02.2013 war ich zusammen mit einem Fotofreund vor unserem Tierparkbesuch ebenfalls kurz am See. Zeitlich gesehen wurde es also mal wieder Zeit zum See zu fahren! Dennoch war der Ausflug zum See ganz spontan ...

Eigentlich hatten wir für diesen Tag einen Ausflug zu den Externsteinen bei Horn-Bad Meinberg geplant, die Wettervorhersage sagte aber, dass es in Horn-Bad Meinberg regnen sollte und da Horn-Bad Meinberg von uns ausgesehen etwas weiter weg ist, sollte für diesen Ausflug natürlich schöneres Wetter sein! Es ergab sich dann, dass wir trotz des schlechten Wetter auch in unserem Landkreis zum Edersee fuhren. Meine Begleiter und ich wollten einfach die Ruinen die man jetzt bei Niedrigwasser zu sehen bekam sehen. Aufgrund einiger Fotofreunde, die mehr oder weniger am Edersee wohnen oder den See als zweite Heimat ansehen, wusste ich, dass man um seine Ruhe am See zu haben bestmöglich das Wochenende und schönes Wetter meiden sollte. So dass der Tag für den Regen angekündigt wurde einfach ideal war! Regenjacke an und ab zum Edersee!


Den ersten Halt machten wir bei Nieder-Werbe laut meiner lieben Fotofreundin Petra sollte es dort zu dem Zeitpunkt besonders trocken sein und die "Erdwaben", die durch die Trockenheit entstanden sind, sollten dort richtig groß sein und das wollte ich unbedingt sehen! Wir liefen ca. zwei Stunden im trockenen See herum.

Fotografiert habe ich mit der Pentax K3II, die meiste Zeit mit meinem Kit-Objektiv und einem POL-Filter um die Details der Wolken besser ausarbeiten zu können. Wenige Aufnahmen sind mit dem Sigma (70-300mm) entstanden. Einige Fotos wurden bei einer Unterbelichtung von -1 / -2 erstellt, da ich sonst hier und da einen zu weißen Himmel gehabt hätte. Die Fotos wurden zunächst im RAW-Konverter bearbeitet und dann in Photoshop. Dabei wurden die "Tiefen", "Lichter" stark verändert da dadurch auch mehr Details im Himmel hervorkommen. Kontraste, Farbtemperatur (Selektive Farbkorrektur), selektive Belichtungskorrektur usw. waren ebenfalls Bestandteile der Bearbeitung.
Ich habe mit Stativ fotografiert, bei Nieder-Werbe noch ohne ND-Filter ... und oftmals auf dem Bauch liegend um bestimmte Perspektiven zu bekommen ... So, das sollten als Infos reichen - nun die Fotos!




Auch ich konnte es mir nicht verkneifen mich nur auf die Suche der "Erdwaben" zu machen und diese fotografisch in Szene zu setzen. Das war allerdings gar nicht so einfach, weil viele dieser Waben sehr klein waren und so stark bewachsen, dass sie sich gar nicht vom "Rest" hervorhoben, daher musste ich ganz lange, sehr oft auf dem Bauch liegen um "schöne" Fotos zu machen.




Und schon bei diesem Hauptmotiv stellte ich sehr schnell fest, wie unterschiedlich die Fotos werden ... Ich konnte mich zu allen Seiten drehen und hatte eine komplett neue Situation vor mir. Die Waben sahen zu jeder Seite anders aus, aber auch das Wetter schien zu jeder Himmelsrichtung eine andere zu sein ...

^ Eines meiner Favoriten



Die Suche nach schönen großen Waben treibte uns ziemlich weit von dort wo wir herkamen, und die Weber führte uns noch weiter. Es gab eine kleine Stelle wodurch es uns möglich war die Weber zu durchqueren ohne uns die Füße nass zu machen ...



Und so langsam wurden auch die Spuren von "damals" sichtbar ...
Wie groß und schön dieser Baum wohl geworden wäre?!


Besonders eindrucksvoll fanden wir die alte Straße, die durch den See verlief.
Nach meiner bisherigen Recherche sind auch wahrscheinlich die Straßen die einzigen Überreste von damals, die nicht nachträglich liebevoll wieder aufgebaut oder modernisiert wurden. Darüber berichte ich aber noch ;-)



Aus diesem Grund seht ihr nun so viele "Straßen"-Fotos ... Bedenkt immer wieder, dass all dies sonst unter Wasser steht!



Zu gerne hätte ich einige Fotofreunde gefragt wo sich andere Ruinen befanden und einige weitere Tipps eingeholt, aber keiner von uns hatte "im" See Internetempfang und der Handyempfand ließ auch zu wünschen übrig ... Tja, man soll halt auch am See entspannen! ;-)



In Hirschhagen herumzulaufen war schon surreal, nun hier in einem "ausgetrocknetem" See herumzulaufen, ebenfalls. Kaum vorzustellen, dass dort wo man stand sonst Wasser ist ...
Die Gesichte, die Tatsache das man nun "im" Edersee herumlaufen kann und die allgemein schöne Landschaft sind sicherlich Gründe, warum auch so viele von außerhalb aktuell - oder jedes Jahr bei Niedrigwasser aufsuchen.







Und wenn man am Edersee wohnt oder oft zum Edersee fährt ist man vieles schon gewohnt. Man kennt den See wie seine Westentasche, das hat sicherlich seine Vorteile wenn man einige Motive zu bestimmten Uhrzeiten fotografieren möchte und besondere Lichtstimmungen festhalten mag!
Manchmal, das trifft sicherlich nicht auf jeden und auch nicht auf jemand bestimmtes den ich kenne, aber manchmal so denke ich mir, verliert man vielleicht doch den Blick für Kleinigkeiten ...
Wie heißt es so schön, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht!


Deswegen finde ich es bei mir so schön, dass ich noch nie so richtig am Edersee war und für mich alles so neu und schön war und ich dementsprechend so viele Fotos gemacht habe! Schließlich müssen die Fotos nun für zwei oder drei Jahre "reichen" ;-)



Nein, Spaß ... mal schauen ob ich es schaffe öfters zum See zu kommen.
Zu gerne würde ich die Tierwelt am Edersee beobachten ...






Die Straße endete nun bald ... Aber "da hinten" waren Möwen!




Also versuchte ich mich im Watt langsam den Möwen anzuschleichen ... da ich keine Gummistiefel trug könnt ihr euch vorstellen, dass dies nicht ganz so einfach war ... Es waren zwar nicht meine ersten "Watterfahrungen" - aber nach so vielen Jahren kam ich mir nun wieder vor, als sei ich am Meer. Möwev, Watt und dazu die fischige Luft, die ich sonst vom Meer kenne - herrlich!





Ich hätte den Lachmöwen (Chroicocephalus ridibundus, Syn. Larus ridibundus) stundenlang zu schauen können, aber nach fast zwei Stunden wurde es nun doch frisch, die ersten Regentropfen schienen runter kommen zu wollen und wir wollten noch viel mehr vom See sehen ...





Auf dem Rückweg entstanden dann noch folgende Aufnahmen ...







Als wir wieder beim Auto waren, kam einer aus dem Nichts mit seinem Quad daher gefahren ... Puh, zeitlich hatte das echt super gut gepasst! Und auch wenn ich mir nicht sicher bin ob es erlaubt ist, finde ich es schon ärgerlich, dass dort jemand mit dem Quad lang gefahren ist!

Im nächsten Blog-Eintrag erfahrt ihr dann wohin es als nächstes ging, aber auf den müsst ihr noch etwas warten! ;-)

Bis dahin lasst euch gut gehen, auf bald!



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