Freitag, 4. September 2015

Geschichte erkunden

Bevor ich euch die Fotos von meinem Ausflug mit einigen Freuden zu diesen ungewöhnlichen Ort zeige, möchte ich euch bitten, wirklich alles durchzulesen!


Warum dieser Blog-Eintrag?
Die Fotos, die ich euch in diesem Blog-Eintrag zeigen werde, haben eigentlich keinen nennenswerten fotografischen Anspruch. Es sind reine Dokumentaraufnahmen, die größtenteils nicht mal digital bearbeitet wurden. Im Grunde sind es nur private Aufnahmen zur Erinnerung an das, was man gesehen hat und wo man war. Da aber die Fotos sowohl die Orte sehr viel "erzählen", könnte es für den einen oder anderen von euch dennoch interessant sein. Daher mag ich das Thema nicht in mehreren Blog-Einträgen ausweiten, sondern packe es alles in einem Eintrag, auch wenn es viel werden wird!



Wie kam es dazu, dass ihr diesen Platz aufgesucht habt?
Ich fragte meinen persönlichen Bekanntenkreis nach einigen Ausflugstipps, es sollte in einem Umkreis von 150 Km zu Bad Arolsen sein und grob gesagt viel zu bieten haben (Geschichte, Kultur, Natur ...). Als Beispiel nannte ich Orte wie Externsteine (Horn Bad Meinberg), Bergpark Wilhelmshöhe (Kassel), Karlsaue (Kassel) Städte wie Hannoversch Münden usw.
Und so wurde mir "Hirschhagen" Vorgeschlagen und grob geschildert was es für ein Ort ist.
Nach einer kleinen Recherche weckte es unsere Interesse und wir beschlossen diesen Ort aufzusuchen. Idealerweise erwarteten wir einen Besuch von dem wir wussten, dass die Person sich ebenfalls für sowas interessieren würde. Der Zeitpunkt war klar, die "Truppe" schnell zusammengestellt.



Was wusstet ihr vor unserem Ausflug nach Hirschhagen?
Da mir bei meiner Recherche nach Hirschhagen vermehrt "Lost Place" Fotos angezeigt wurden wollte ich natürlich mehr über diesen Platz wissen, da "Lost Place" Orte aufzusuchen nicht immer ratsam ist und uns nicht so sehr ansprechen. Schnell erfuhr ich, dass Hirschhagen eigentlich kein "Lost Place" Ort ist, sondern eine ehemalige Sprengstofffrabrik im zweiten Weltkrieg war.



Und nach dem Wissen wolltet ihr dennoch dahin?
Auch wenn es für viele schwer zu glauben ist, unsere Gruppe ist tatsächlich sehr Geschichts-interessiert.

Ich selbst habe ein allgemein großes Interesse an Geschichte, weswegen mich natürlich auch die deutsche Geschichte interessiert, schließlich gehört es auch zu meiner Kultur und Geschichte und zudem lebe ich in Deutschland. Zu Schulzeiten gehörte es zum Pflichtprogramm ein Konzentrationslager (Dora) zu besichtigen und zudem habe ich bereits an mehreren Führungen durch die Archive vom ITS (Zentrum für Dokumentation, Information und Forschung über die nationalsozialistische Verfolgung, NS-Zwangsarbeit sowie den Holocaust) in Bad Arolsen teilgenommen. Daher ist es auch für mich nicht ungewöhnlich eine Sprengstofffabrik aus dem zweiten Weltkrieg aufzusuchen.

Ich überprüfte vor unserem Ausflug, wohin wir genau mussten und was es zu berücksichtigen gab. So erfuhren wir über die Tourismus Seite von Hessisch Lichtenau , dass es einen offiziellen Themenweg gibt, den man zu jeder Uhrzeit aufsuchen kann und quasi durch das ganze Gebiet laufen kann.

"Erleben Sie die bedrückende Stimmung auf einem Rundgang durch eine der größten Munitionsfabriken der nationalsozialistischen Diktatur.
Erkunden Sie den ca. 5km langen selbsterklärenden Themenweg anhand von 15 Informationstafeln in Eigenregie oder buchen Sie eine Führung über das Gesamtareal. Erläutert werden die Produktion von Sprengstoffen und Munition unter menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen, sowie der Tagesablauf der Arbeiter, Zwangsarbeiter, KZ-Häftlingen und ihre unterschiedliche Behandlung."

Quelle: www.hessich-lichtenau.de



Für uns war das faszinierende, "Geschichte" quasi greifbar zu haben. Geschichte erkunden und das nicht in einem Museum. Unterwegs zu sein - in der Natur und dabei zeitgleich auch sehen wie die Natur sich ihren Platz wieder zurückerobert, wenn auch die Bepflanzung der Dächer schon beim Bau der Fabrik eingeplant wurde. Die Fotos sowohl Videos die wir sahen machten uns neugierig und letztendlich liegt Hirschhagen von uns betrachtet quasi um die Ecke.




Was gibt es mehr über "Hirschhagen" zu erzählen?
Hirschhagen ist ein Stadtteil von Hessisch Lichtenau im Werra-Meißner-Kreis in Hessen. Hirschhagen ging aus der zur Zeit des Nationalsozialismus errichteten Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau hervor und dient heute vor allem als Gewerbegebiet.

Im Rahmen der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung des nationalsozialistischen Deutschen Reiches wurde im Jahr 1936 mit dem Bau der Fabrik Hessisch Lichtenau zur Verwertung chemischer Erzeugnisse begonnen. Planung, Aufbau und Betrieb der Sprengstofffabrik erfolgten nach dem Montan-Schema. Nach zweijähriger Bauzeit wurde Fabrik im Juni 1938 in Betrieb genommen. Der Deckname des einer strengen Geheimhaltung unterliegenden Komplexes lautete Friedland.

Die Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau war nach den Sprengstoffwerken in Allendorf die zweitgrößte im damaligen Deutschen Reich. Zwischen 1938 und 1945 wurden rund 135.000 Tonnen TNT und 7.000 Tonnen Pikrinsäure produziert und weiterverarbeitet und Zünder und Sprengkapseln mit angelieferten Nitropenta befüllt.

Das Werksgelände umfasst eine Fläche von 233 ha mit insgesamt 399 Gebäuden. Neben den Produktionsgebäuden für die Sprengstoffe gab es Füllstellen für Munition, Lagerstätten, Laboratorien, Werkstätten sowie unter anderem auch zwei eigene Kraftwerke für die Stromversorgung. Zum Transport diente eine 17 km lange Werksbahn mit Anschlussbahnhof zur Bahnstrecke Kassel–Waldkappel.

Neben deutschen Dienstverpflichteten mussten auch zahlreiche ausländische Zwangsarbeiter sowie KZ-Häftlinge in der Fabrik arbeiten. Die Arbeit in der Sprengstoffproduktion und -verfüllung war recht gefährlich, und es kam im Lauf der Jahre zu zwölf dokumentierten Explosionsunglücken mit zahlreichen Toten.

In der Umgebung der Fabrik entstanden zehn Lager zur Unterbringung der Arbeitskräfte und KZ-Häftlinge. Für die leitenden Angestellten wurde die noch heute erhaltene Siedlung Fürstenhagen im Stil der Heimatschutzarchitektur gebaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Liegenschaften der Sprengstofffabrik für eine zivile Industrie genutzt. Heute ist das Gebiet als Industriegebiet der Stadt Hessisch Lichtenau ausgewiesen. In den früheren Gebäuden des Werks finden sich Gewerbebetriebe, teilweise aber auch Wohnungen.

Durch die ohne Rücksicht auf die Umwelt erfolgende Sprengstoffproduktion ist Hirschhagen auch eine Rüstungsaltlast. 1992 begannen umfangreiche Sanierungsarbeiten im Auftrag des Landes Hessen. Nach umfangreichen flächendeckenden Bodenuntersuchungen wurden verschiedene Sanierungsareale ausgewiesen. Hier wurden die Kontaminationen an Nitroaromaten und PAK durch Bodenaustausch entfernt oder zu geringen Teilen auch durch Abdeckung versiegelt.

Die kontaminierten Grundwässer werden mittels Wasseraufbereitung über Aktivkohlefilter von den Nitroaromaten gereinigt. Während die Bodensanierung 2008 abgeschlossen werden konnte, müssen die Grundwässer noch weiter aufbereitet werden.




Wie waren wir für diesen Ausflug vorbereitet?
Nun, wir alle hatten ein paar Informationen über die Gebäude bzw. die Anlage. Wir wussten aber dennoch nicht was und wie viel wir zu sehen bekommen würden. Man sagte mir, dass man um die sechs Stunden in diesem Gebiet herumlaufen könnte.
Also war das wichtigste in unseren Rucksäcken eine angemessene Verpflegung - ausreichend Essen und Trinken. Da wir auch bereits wussten, dass man im Wald herumlaufen kann und man in Hirschhagen kein Handyempfang haben würde, entschieden wir uns eine Karte von Hirschhagen "offline" zu speichern, sicher ist sicher - falls man sich doch verläuft. Ich persönlich entschied mich für diesen Ausflug für knallige Kleidung um im Zweifelsfall schneller gefunden zu werden, sicher ist sicher. Festes Schuhwerk und lange Hosen waren an dem Tag trotz der Temperaturen Pflicht, auch wenn zwei aus der Gruppe auf geeignetere Kleidung verzichteten, aber die beiden konnten die Folgen dessen gut ab. Ein weiterer Vorteil, der mir persönlich in so manchen Situationen durch den Kopf ging, dass ich es keiner anderen Gruppe hätte besser treffen können. Jeder einzelne war aufmerksam, hilfsbereit und bei der Sache. Zwei aus der Gruppe übten noch dazu Berufe im Rettungsdienst aus. Falls also doch irgendwas passieren sollte - wir wären nicht komplett verloren ...




Was gibt es noch über diesen Platz zu erzählen?
Noch jede Menge, das werde ich aber versuchen bei den Fotos einzubringen.

Viel wichtiger ist, über das Gebiet wirklich aufzuklären für die, die nun unbedingt dort hin wollen! Ihr werdet Fotos aus verschiedenen Bereiche rund um das Gebiet sehen, einige Gebäude sind einfach zu erreichen einige nicht.

Falls jemand die Absicht hat eben genau all diese Gebäude selbst mal aufsuchen dem, rate ich von einen Alleingang komplett ab! Drei Leute sollten es sein. Vom großen Vorteil wären Wander/Outdoor-Erfahrungen. Man sollte im schlimmsten Fall schon wissen wo man im Wald lang gelaufen ist um sich nicht zu verlaufen und ggf. im Notfall Hilfe holen zu können. Nehmt bloß nicht zu viel mit (Fotografen: Kit Objektiv oder GoPro und Co. reichen aus!), spart nicht am trinken.

Das wichtigste aber meiner Meinung ist, Respekt vor diesem Platz und dessen Geschichte.
Überlegt euch aber auch ganz genau mit wem ihr das Gebiet aufsucht. Ihr werdet es an einigen Fotos sehen, dass es keine Übertreibung ist und wirklich sehr schnell etwas passieren kann wenn man zu unaufmerksam ist! Man kann nicht, wie durch manch andere Wälder, verträumt durch die Gegend laufen, neben den Löchern dessen Tiefe man nicht immer einschätzen kann, gibt es andere Dinge, die einen verletzten können. Man muss aufmerksam sein, nach und nach laufen oder sich neue Wege suchen. Der Weg, der für den einen noch funktionierte, kann für den anderen schon nicht mehr nützlich sein. Unaufmerksamkeit, Rücksichtslosigkeit untereinander, mangelndes Vertrauen in seinen Begleitern u.Ä. sind bei derartigen Ausflügen fehl am Platz! Ein solcher Ausflug schweißt einen quasi zusammen.

Ihr wisst, dass ich Outdoor Erfahrungen habe, dass auf mich nicht zwangsweise ein typisches Frauenbild passt ... und dennoch sage auch ich ganz offen und ehrlich: ich hätte es niemals alleine geschafft all die Plätze aufzusuchen! Hier und da brauchte ich Hilfe. Daher ist wahrscheinlich das Gebiet auch nicht für jede Frau geeignet ...

Und noch dazu:
Ihr werdet keine Gebäude betreten können, die nicht frei zugänglich sind! Einige Gebäude sind versperrt und auf Privatgrundstücken. Das Betreten von komplett abgesperrten Gebäuden kann unter Umständen Folgen nach sich ziehen (Anzeige wegen Hausfriedensbruch ; Platzverweis), auch das sollte man sich bewusst sein. Wir mussten die frei zugänglichen Gebäude sehr lange suchen und liefen dafür über 4 Stunden durch den Wald. Insgesamt waren wir aber um die 6 Stunden in Hirschhagen unterwegs und wir haben nicht annährend alles gesehen und entdeckt, was es zu sehen gab.




Falls es noch nicht verstanden wurde ...
Warum ist "Hirschhagen" kein "Lost Place" Ort?
Nun, Hirschhagen ist sicherlich ein verlassener Ort, aber kein "Lost Place" Ort wie es sich die meisten Menschen vorstellen. Typische "Lost Place" Gebäude wurden meist aus finanziellen Gründen stillgelegt sei es privat (Wohnhäuser) oder geschäftlich (Hotels, Fabriken, Schwimmbäder usw.) und haben keine für die Allgemeinheit relevante Geschichte. Um Hirschhagen dagegen gibt es eine relevante Geschichte. Und auch wenn der Ort doch auf einigen "Lost Place" Seiten auftaucht, sollte dieser Ort aufgrund seiner Geschichte nicht mit jedem anderen verfallenen und ranzigen Gebäude verglichen werden.

Aus diesem Grund, weil Hirschhagen Geschichte ist, mache ich kein Geheimnis um diesen Ort - Geschichte sollte jedem frei zugänglich sein. Ich rate jeden davon ab irgendwelche Cosplay Fotos oder Model Fotos an der "Location" zu machen oder als typischen "Lost Place" Ort zu behandeln/werten. Das ist eindeutig unangebracht, geschmacklos und respektlos gegenüber der Geschichte dieses Platzes.






Nun zum eigentlichen "Erlebnisbericht" ;-)





Als wir in Hirschhagen ankamen hatten wir keine richtige Idee gehabt wo wir anfangen sollten. Das "neue" Industriegebiet war schnell gefunden aber die ganze Gegend sah recht modern aus. Verlassen und ruhig, ja, aber wo sollten hier zerstörte Gebäude sein? Wir fuhren etwas umher und suchten einen guten "Startpunkt" ... Irgendwo sollten die angekündigten Thementafel stehen ...
Wir entschieden uns mehr oder weniger im nirgendwo, am Waldrand zu halten und von dort aus zu starten.

Und tatsächlich, wir konnten die ersten zerstörten Gebäude gerade so durch die Büsche erkennen ... direkt am Wegrand. Wow. Das wir schon so früh die Gebäude finden würden, hatten wir nicht erwartet. Im Wald stehen natürlich keine Schilder, so kann ich also nichts über die Gebäude erzählen.


Meine ersten Gedanken, als meine männlichen Begleiter den Hang hinunterliefen und quasi in den Überresten des Gebäudes standen waren: "Wie? Da soll ich nun rein, bin ich denn bekloppt?!" ...
Ja ich weiß, was habe ich erwartet wenn die Rede von gesprengten Gebäuden ist?!
Ich weiß es auch nicht ... Mir war schon gleich zu Anfang etwas mulmig ...


Im inneren des Gebäudes angekommen habe ich mich auch gefragt, was ich eigentlich hier mit einer Kamera will ... und was andere an der "Lost Place"-Fotografie so spannende finden ...
Nicht desto trotz tat ich das, weswegen ich mitgekommen war - fotografieren.
Aber was sollte ich fotografieren?!

Da ich allgemein bei diesem Ausflug sehr viele Fotos (aus Unerfahrenheit in diesem Bereich der Fotografie) gemacht habe, zeige ich euch hier tatsächlich nur wenige Fotos ... Viele Fotos habe ich doch gelöscht, weil mir im nachhinein der Bezug zum fotografierten fehlte oder ich das Fotografierte doch zu ekelerregend fand.


Kaum das ich "unten" angekommen war und wirklich realisierte, dass dies erst der Anfang ist und das solche Gebäude nun tatsächlich auf unserer Besichtigungsliste standen, waren die anderen schon im nächsten Raum ...

Dort sahen wir einige kleine Stalaktiten, die ich, um ehrlich zu sein, wirklich sehr eklig fand. Auch wenn ich schon einige Tropfsteinhöhlen gesehen hatte, aber die Stalaktiten in dieser Umgebung fand ich ganz und gar nicht faszinierend. Auch dauerte es bei mir sehr lange bis ich das Schwalbennest entdeckte ...

Ich persönlich fühlte mich dort unten doch sehr unwohl und war dann auch froh, dass die Besichtigung des ersten Gebäudes durch war ...



Danach ging es mehr oder weniger kreuz und quer durch einen kleinen Waldbereich ...
Hier entdeckten wir mehrere (so um die 6 Stück) Schornsteinschächte? Wir wissen es selbst nicht so genau ... Einige dieser Bauwerke waren noch sehr gut erhalten und dementsprechend tief wie das auf den beiden Fotos unten. Andere dagegen gerade mal kniehoch. Bei unaufmerksamen Laufen hätte hier und da die Gefahr bestanden in einen solchen Schacht reinzufallen ... In einigen dieser Schächte waren Äste und Laub die auch einen Boden vortäuschten ... In einigen Befanden sich kleine Tannen und in einem weiteren Schacht sahen wir einen Besen ...








Natürlich wissen wir noch wo wir über all lang gelaufen sind, schließlich haben wir unsere Fotos (die mit dem Handy entstanden sind) mit GPS Daten versehen ... dennoch kann ich euch jetzt nicht genau sagen wo wir hingelaufen sind, da wir einfach unseren Instinkten folgten oder den offensichtlichen Wegen oder aus der Ferne schon unser nächstes Ziel sehen konnten ...

So wie diesen kleinen "Tunnel" den wir auch entlang liefen ...




^ Das ist zum Beispiel ein Gebäude das man nicht betreten kann. Aber man kann in das Gebäude mit einer Taschenlampe leuchten und sehen, dass man auch dieses Gebäude gar nicht betreten hätte wollen ;-) Daher hier noch ein weiterer Tipp - Taschenlampe mitnehmen nicht vergessen ;-)




Wir kamen irgendwann an diesem Platz raus und auch hier konnte man das surreale Bild der Umgebung sehen. Surreal - so wird Hirschhagen oft beschrieben und das trifft auch zu ... direkt neben diesen Überresten eines größeren Gebäudekomplex sieht man schon das modernere neu erbaute Industriegebiet. Hier und da stehen kleine Bagger herum ...







Da wir keine Lust hatten ziellos durch den Wald zu laufen entschieden wir uns wieder den Weg zu suchen und endlich mal eine Thementafel zu finden. Auch wenn es im Wald etwas spannender wäre, die Gebäude zu entdecken, ein paar weitere Informationen über die ehemalige Anlage wollten wir doch noch haben ...

Und da war sie, die erste Tafel!



Nachkriegszeit in Hirschhagen

Industrieansiedlung
Bereits ab 1946 siedelten sich die ersten kleineren Firmen in Hirschhagen an. Zumeist Flüchtlinge nutzten die Gebäude mit intakter Wasser- und Energieversorgung für den Aufbau einer neuen Existenz. Den ersten Pachtvertrag schloss die Firma "Pharma-Chemie KG" ab, die für die Sacharin-Herstellung die drei Gebäude 659, 334 und 321 in Anspruch nahm. Für die Produktion durften sogar bereits ausgebauten Maschinen und Kessel aus der Mono-Nitrieranlange mitgenutzt werden. Als bereits vier Pachtverträge geschlossen und vier weitere Pachtverträge zugesagt waren, stoppten 1947 die Reparationsansprüche die wirtschaftliche Entwicklung, da auf der Reparationsliste auch die Energieanlagen der Fabrik standen. Trotz der Tatsache, dass die Kraftwerke außer Hirschhagen auch die umliegenden Dörfer versorgten und zudem dringend notwendige Arbeitsplätze versprachen, nützten alle Proteste aus der Region nichts: die Kraftwerke wurden demontiert und gesprengt. Da nun mit der - zum damaligen Zeitpunkt nicht selbstverständlichen Energieversorgung ein wichtiger Standortfaktor fehlte, sprangen einige der interessierten Betriebe wieder ab. Dennoch entwickelte sich der Standort aufgrund der vergleichsweise guten Ausgangsvoraussetzungen zu einem Industriestandort weiter


Weiterentwicklung des Standortes
Mit der Umbenennung der Montan-Industriewerke GmbH in die Industrieverwaltungsgesellschaft mbH (IVG) im Jahr 1951 ging das ehemalige Reichsvermögen in den Besitz der Bundesrepublik Deutschland über. Im Gegensatz zu anderen ehemaligen Standorten der Sprengstoffproduktion wurde für Hirschhagen kein einheitlicher Plan für die Umnutzung und Vermarktung des Standortes entwickelt, vielmehr erfolgte der Verkauf von Grundstücken auf Nachfrage. Schwer umzunutzende Grundstücke mit zerstörten Gebäuden blieben somit unverändert. Auch die Beseitigung der Altlasten und Schäden der Sprengstoffproduktion wurde, z.B. am Standort Allendorf bereits in den 50er Jahren systematisch vorangetrieben, in Hirschhagen dauerte es bis zu den 80er Jahren, bis eine umfangreiche Untersuchung und Sanierung des Standortes begonnen wurde.


Wohnnutzung
Parallel zu den Bestrebungen der IVG und der Stadt Hessisch Lichtenau, Gewerbebetriebe in Hirschhagen anzusiedeln, wurden auch Gebäude zu Wohnzwecken umgebaut. Die Schäden an den Gebäuden - insbesondere im Bereich der Dächer - wurden repariert, die Gebäude selbst häufig so umgebaut, dass die ursprüngliche Nutzung kaum noch zu erkennen war.


Heutige Situation
Heute befinden sich in Hirschhagen rund 124 ha Industriefläche, auf der sich 97 Gewerbebetriebe mit rund 560 Arbeitsplätzen angesiedelt haben. Die Altlastensanierung der Rückstände aus der Sprengstoffproduktion war eine schwierige und langwierige Aufgaben, die seit den 90er Jahren mit hohem finanziellen Aufwand erfolgte und 2009 abgeschlossen werden konnte.

An diesem Standort
Die ehemalige Kantine (653) war nach dem Krieg bis 1964/1965 eine beliebte Gaststätte mit Tanz. Danach wurde hier für ca. 3 bis 4 Jahre ein Lebensmittelladen mit Imbiss durch die Firma Reolit eingerichtet, der insbesondere der Versorgung der in Hirschhagen ansässigen Gastarbeiter diente. Heute ist in dem Gebäude eine Autowerkstatt.
Das Gebäude 558 war die Werksfeuerwehr, die noch lange Zeit durch den Schlauchturm zu erkennen war. Nach dem Krieg wurde sie gewerblich genutzt, u.a. durch eine Autowerkstatt.





Auf der Suche nach der zweiten Thementafel kamen wir an diesem Gebäude vorbei, das im Vergleich zu den anderen Gebäuden im Wald sehr gut erhalten war. Hier seht ihr auch schon die Bildung von Stalaktiten.




Da wir nicht kreuz und quer herumlaufen wollten suchten wir aber doch den "Anfang" des Themenweges, der dann zum Glück auch sehr schnell gefunden war ...
Hier standen natürlich auch einige Infos.




Themenweg ehemalige Sprengstofffabrik Hirschhagen
Für Besucher von Hirschhagen erschließt sich die Struktur des Ortes nur schwer: weitläufig im Gelände verteilte Gebäude, dazwischen Ruinen, abgesperrte Bereich und Relikte im Wald.
Der Themenpfad Hirschhagen möchte Ihnen eine Orientierung im Gelände ermöglichen, die Entstehungsgeschichte des Ortes als Sprengstofffabrik verdeutlichen und zu mindestens einen kleinen Einblick geben, wie Menschen hier unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und leiden mussten.
Gleichzeitig bietet der Themenpfad jedoch auch einen Ausblick auf das, was Hirschhagen heute geworden ist: Ein Industriegebiet und Arbeitsstandort für viele Menschen, teilweise aufwändig saniert aufgrund der immensen Umweltbelastungen der Vergangenheit. Sicher ersetzt dieser Themenpfad nicht eine Führung durch das Gelände mit fachkundigen Menschen. Sollten sie weitergehendes Interesse an einer Führung oder an einer Literaturliste haben, wenden Sie sich bitte an das:
Bürgerbüro Hessisch Lichtenau, Tel 05602 807-100 oder
Bürgerbüro Helsa Tel. 05605 8008-0

Darüber hinaus möchten wir auf die weiterführende Literatur hinweisen, die gleichzeitig Grundlage für die Inhalte der Tafeln des Themenweges war:

* "Friedland" bei Hessisch-Lichtenau, Gregor Espelage, Hessisch-Lichtenau 1994
* Sprengstoff aus Hirschhagen - Vergangenheit und Gegenwart einer Munitionsfabrik; Wolfram König / Ulrich Schneider, Kassel 1987 (2. Auflage)
* Das Außenkommando Hess. Lichtenau des Konzentrationslagers Buchenwald 1944/45; Dieter Vaupel, Kassel 1984
*Hirschhagen, Sprengstoffproduktion im "Dritten Reich", Hessisches Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung (Hrsg.), Kassel und Wiesbaden 1991
* Stadtführer Hessisch Lichtenau
* Kanarienvogel; Buch / Film über das Leben der Zwangsarbeiterin Blanke Pudler, Elke Mark






Entstehung und Besitz der Sprengstofffabrik
Eigentümer-Modell
Zum Aufbau und Betrieb der Fabrik wurde als Rechtskonstruktion das sogenannte Montan-Modell verwendet, da einerseits die Industrie die sich im Rahmen der nationalsozialistischen Aufrüstung ergebenen finanziellen Risiken für die Erweiterung und Neueinrichtung von Betrieben nicht tragen, anderseits das nationalsozialistische Reich nicht als Rüstungsproduzent in Erscheinung treten wollte.
Somit beauftragte das Reich die Dynamit-Aktiengesellschaft (D.A.G.), eine Fabrik mit Reichsmitteln zu planen und zu bauen. Die fertige Anlage wurde der Montan übergeben, die zu 100% im Besitz des Reiches war, Grund und Boden und Anlagen gehörten somit dem Reich. Gleichzeitig verpflichtete sich die D.A.G., den Betrieb der Fabrik in allen Belangen sicherzustellen.
Somit stellte das Reich das gesamte Investitionskapital, die freie Industrie das gesamte Betriebskapital zur Verfügung. Der Absatz der produzierten Sprengstoffe und Waffen war dabei für die Industrie von vornherein gesichert. Zudem ermöglichte es diese Rechtskonstruktion der freien Wirtschaft, sich in der Nachkriegszeit jeglicher Verantwortung für die durch die Rüstungsproduktion entstandenen, bis heute nachwirkenden ökologischen Schäden zu entziehen.

Bau der Sprengstofffabrik
Am 17. September 1935 wurde der schriftliche Auftrag zum Bau der "Freiland-Werke", Tarnbezeichnung der Sprengstofffabrik Hessisch Lichtenau, erteilt. Die ursprüngliche Planung wurde dabei später aufgrund des hohen Munitionsbedarfes sukzessive erweitert. Bereits Ende 1935 wurde mit dem Bau der Bahnanlage und den Quellenzuleitungen begonnen. Im weiteren Verlauf der Bauphase waren Arbeitskolonnen Tag und Nacht im Einsatz, auch tiefe Baugruben wurden von Hand in den anstehenden Sandsteinfels gegraben.
Mit Beginn der Produktion waren die Bauarbeiten an der Fabrik nicht abgeschlossen: Bereits vor Kriegsbeginn wurden die ersten Erweiterungen des Werkes in Auftrag gegeben, während der Produktion musste zudem laufend auf Produktionsprobleme eingegangen werden. Gleichzeitig waren zu Beginn der Arbeiten insbesondere soziale Anforderungen vernachlässigt worden, so dass zahlreiche Sozialbauten (wie Werksküche, Aufenthaltsbaracken, Krankenstation) nachträglich behelfsmäßig errichtet wurden.
Die letzten Anlagenerweiterungen waren noch im Bau, als am Gründonnerstag 1945 die Produktion eingestellt wurde.

An diesem Standort
Das Pförtnerhaus (551), ein in Betonrahmenbau errichtetes Gebäude, wurde bis 1945 als Wache genutzt. Hier wurden die Arbeiterinnen und Arbeiter beim Betreten und Verlassen des Werkes kontrolliert. Das gesamte Gelände war mit Stacheldraht eingezäunt, an dieser Stelle befand sich der Haupteingang. Zwei weitere Werkstore aus Richtung Eschensruth/Waldhof und aus Richtung Friedrichsbrück ermöglichen ebenfalls Zugang zum Gebäude. Das 3-stöckige Verwaltungsgebäude (Kommandatur Geb. 580) wurde bis 1945 als Verwaltung genutzt. Auch danach war es zunächst das Verwaltungsgebäude eines Industriebetriebs, um in den 90er Jahren zu einem Wohnheim für Um- und Übersiedler umgenutzt zu werden. Heute steht das Gebäude leer.



Lage und Verkehrsanbindung

Standortwahl
Für die Wahl des Standorts der Sprengstofffabrik waren verschiedene geographische Faktoren entscheidend: Eine gute Erschließung über die Bundestraße 7 und die Eisenbahnlinie Kassel-Eschwege war gegeben. Der vorhandene, dichte Wald diente der Tarnung, die nahegelegenen Braunkohlebergwerke der Energieversorgung. Gleichzeitig konnte auf zahlreiche Arbeitskräfte aus der kleinbäuerlichen Landwirtschaft zurückgegriffen werden, ohne dass andere Industrien beeinträchtig wurden.

Baustruktur
Bei dem Bau der Fabrik wurde soweit wie möglich entlang der vorhandenen Forstwege geplant, um die Tarnung aufrecht zu erhalten. Die Gebäude aus Stahlbeton oder Stahlbetonrahmen wurden bis aus wenige produktionstechnische bedingte Ausnahmen eigeschossig gehalten, die Flachdächer begrünt und mit Bäumen bepflanzt. Die Dächer waren an den Rändern gezackt, dies sollte vor einer Entdeckung aus der Luft schützen. Bei den Gebäuden, die während der Betriebszeit entstanden, wurde die Tarnung zunehmen vernachlässigt.
Insgesamt wurden auf dem Gelände zwischen 1936 und 1944 ca. 400 Gebäude errichtet. Priorität hatten die Produktionsgebäude, Sozialgebäude, wie Z.B. Aborte, wurden erst vergleichsweise spät in ausreichender Zahl erstellt. Insgesamt waren bis zu 2000 Bauarbeiter und mehr als 1000 Arbeitsdienstmänner permanent mit den Bauarbeiten an der Sprengstofffabrik beschäftigt.

Die weitläufige Bebauung des Geländes diente einerseits der Tarnung, anderseits sollten bei Unfällen die Nachbargebäude geschützt sein. Zu jedem für die Produktion wichtigen Gebäude wurde zunächst ein Zwillingsgebäude gebaut, um Produktionsausfälle nach Unfällen oder Bombenangriffen zu vermeiden. Nach wenigen Jahren wurde jedoch auch in den Ersatzanlagen parallel produziert, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden.
Die Sprengstofffabrik erstreckte sich insgesamt über ca. 3 km in der Länge und ca. 1,5 km in der Breite. In der Umgebung kamen zahlreiche Lager für die Unterbringung der Arbeiter hinzu. Zu weiteren Standorten außerhalb der Sprengstofffabrik bestand eine enge Bindung: So wurde die Zeche Hirschenberg 1942 über eine Seilbahn an den Kohlehochbunker angebunden, der Steinbruch der Lichtenauer Baufirma Röder wurde für Probesprengungen genutzt.

Bahnanbindung
Für die Zulieferung der Rohstoffe und den Abtransport der fertiggestellten Produkte wurde weitgehend die Bahn genutzt. Zwischen den Bahnhöfen Velmeden und Epterode war die Sprengstofffabrik mit einem Anschlussgleis an die öffentliche Bahnstrecke angebunden, dieses führte zum Bahnhof Steinholz, der u.a. über ein eigenes Stellwerk verfügte. Insgesamt wurden 35 km Gleise für die Fabrik angelegt, davon 17 km innerhalb des Geländes.

An diesem Standort
Das Elektrokarrengebäude (480) diente u.a. der Wartung der Elektrokarren, die für den Transport innerhalb des weitläufigen Geländes genutzt wurden. Direkt im Anschluss befand sich die Auto-Werkstatt (481). Beide Gebäude sind als Betonrahmenbauten errichtet, die mit Schwemmsteinen ausgemauert wurden. Dieses sollten im Falle von Explosionen herausgedrückt werden und somit verhindern, dass das gesamte Gebäude zerstört wurde. Die Verbindung zwischen den beiden Gebäuden entstand nach dem Krieg. Mit der sich verschärfende Rohstoffknappheit während des Krieges wurde der Transport der halbfertigen und fertigen Produkte innerhalb der Fabrik immer problematischer. Teilweise wurden die Granaten auf 40 t schweren Waggons von Gefangenen geschoben.











Leider habe ich das Schild schlecht fotografiert, dass ich euch nicht alle Infos weitergeben kann ...



Produkte und Produktionsarten
[...]
Ab November 1939 wurde als zweiter Sprengstoff Trinitrophenol (Kurz: Pikrin oder Pikrinsäure) hergestellt, das durch Erhitzen von Salpeter und Phenol entsteht. Pikrinsäure wurde um Gegensatz zu TNT nicht flüssig, sondern als Granulat verarbeitet und diente als Treibmittel für Geschosse. Zunächst wurde es in mehreren Arbeitsgängen gekocht, gewaschen, getrocknet und granuliert, dann wurde es in den Pressengebäuden in Hülsen abgefüllt und dann unter hohem Druck verdichtet. Im Vergleich zum TNT wurden insgesamt von der Pikrinsäure deutlich geringere Mengen produziert: Im Jahr 1939/40 startete die Produktion mit 156 Tonnen, im letzten Kriegsjahr 1944/45 war die Produktionsmenge auf insgesamt 2.075 Tonnen angewachsen.


Nitropenta
Auch wenn zunächst beabsichtigt war, auch den Sprengstoff Nitropenta in Hessisch Lichtenau herzustellen, wurden die bereits hierfür begonnen Arbeiten 1940 gestoppt. Jedoch erfolgte in Hirschhagen die Verarbeitung des leicht entzündlichen Sprengstoffes zu Zündladungen. In Pressengebäuden wurden Aluminiumhülsen von Hand mit Sprengstoff gefüllt und verpresst.

An diesem Standort
Die Gebäude 412 und 444 sind Teil der Füllstation Ost, das Gebäude 412 diente der Vorbereitung, das Gebäude 444 ist im ursprünglichen Werksplan nicht eingezeichnet. In den Füllstationen wurde der Sprengstoff TNT in die Granaten, Bomben und Tellerminen abgefüllt. Hierzu musste er jedoch zunächst verflüssigt werden, weitere Stoffe wurden hinzugesetzt. Bei dem Prozess des Verfüllens von TNT war die Explosionsgefahr besonders groß, hier ereigneten sich die schwersten Unfälle. Dies zeigt auch die Aufstellung der größten Explosionen im Werk: Zahlreiche weitere Menschen kamen bei Explosionen oder durch Vergiftungen im Werk Hirschhagen ums Leben oder wurden teilweise schwer verletzte. Die gefährlichen Füllanlagen wurden dennoch nicht automatisiert, wie dies bereits in 1941 in der Sprengstofffabrik Allendorf geschah.

06. Sep. 1938 Nitrierhaus (Gebäude 305) 11 Tote
17. März 1941 Fertigungsstätte (370) 15 Tote
10. April 1943 Füllstelle Oste (412, 414) 63 Tote
25. Mai 1943 Füllstelle West (419) 15 Tote
31. Märt 1944 Füllstelle West (413, 415) 71 Tote




Arbeitsprozesse
Pressen
Für das Verpressen und Fertigmachen der Sprengstoffe standen 51 Gebäude zur Verfügung: Eine Versuchsanlage, 18 Pressengebäude sowie weitere 24 Gebäude für Fertigmachung, Abnahme und Versand.
Die Pressen befanden sich in Buchten, die von drei Seiten mit dicken Betonwänden umgeben waren, an einer Seite jedoch weitgehend frei standen, damit bei Explosionen der entstehende Druck entweichen konnte. Die zu verpressende Ladung kam durch eine Öffnung in der Wand in die Anlage. Der Druck, der für das Pressen notwendig war, wurde hydraulisch aufgebaut. Um Explosionen zu vermeiden, mussten die Mengengrenzen des jeweiligen Sprengstoffes genau eingehalten werden. Das technische Verfahren war soweit wie nur möglich vereinfacht, da die Arbeiten weitgehend von ungelernten Zwangsarbeitern und -arbeiterinnen durchgeführt wurden. Auch wenn es bei den Pressen häufig zu Explosionen kam, wurden hier zumindest offiziell keine Todesfälle verzeichnet. Der Druck entwich durch die offenen Wände. Dafür war die Belastung durch die Stäube des Sprengstoffes sehr hoch, so dass sich Haut und Haare der Menschen meist gelb verfärbten, diese daher auch "Kanarienvögel" genannt wurden.

Ein Großteil des produzierten Sprengstoffes wurde vor Ort in Bomben, Minen und Granaten verfüllt oder zu Sprengladungen verpresst.

Verfüllen
Das Verfüllen des TNT gehörte zu den gefährlichsten Verfahren in der Fabrik, was u.a. durch die zahlreichen Explosionen dokumentiert werden kann. Zwei Füllstellen waren in Hirschhagen im Betrieb, eine weitere war bei Kriegsende im Bau. Für das Verfüllen musste das zunächst granulierte TNT erhitzt und abermals verflüssigt werden. Dies geschah in 2m³ großen Kesseln, die von außen über einen Mantelkessel mit Heißwasser beheizt wurden. Die Bildung von Luftblasen beim Abkühlen wurde durch ständiges Rühren verhindert, da es insbesondere bei der Befüllung von Granaten zu "Rohrkrepieren" führen konnte. Die Arbeiterinnen und Arbeiter waren bei dieser Tätigkeit einerseits permanent den giftigen Dämpfen ausgesetzt, anderseits spritzte die heiße Masse häufig hoch und führte dann u.a. zu Verbrennungen im Gesicht. Der Schutz durch große Schürzen war keineswegs ausreichend.
Von einer Mechanisierung dieser lebensgefährlichen Arbeit wurde in Hirschhagen abgesehen, unter anderem wurde die fehlende Flexibilität der Maschinen hinsichtlich der benötigten Produktpalette als Grund genannt. Letztendlich standen mit den eigesetzten Zwangsarbeitern und -arbeiterinnen ausreichend billige Arbeitskräfte zur Verfügung, auf deren Leben und Gesundheit keine Rücksicht genommen wurde.

Fertigmachen
Angrenzend an den Pressereien wurde die Munition in den Fertigungsbetrieben für den Transport vorbereitet und verpackt. Hierzu mussten beispielsweise Zünderkanäle gebohrt, Sprengstofffüllungen geprüft, Ränder von Minen "gebördelt", d.h. verschlossen werden. Auch in diesem Bereich war die Belastung mit den Stäuben der Sprengstoffe hoch.



Bodensanierung

Bodenbeeinträchtigung
Die Produktion und Weiterverarbeitung der Sprengstoffe im Werk Hessisch Lichtenau-Hirschhagen von 1938 - 1945 hatte Folgen für Boden und Grundwasser. Sicherheits- und Umweltschutzvorkehrungen waren während des Betriebes völlig unzureichend, die verwendeten, oft gesundheitsschädlichen Stoffe gelangten schon bei der Produktion in teilweise erheblichen Mengen in den Untergrund. Die anschließende, nicht fachgerechte Demontage nach der Stilllegung verschärfte das Problem.

Erkundungskampagnen
1985 wurden vom Land Hessen, vertreten durch den RP Kassel, umfangreiche Erkundungs- und Sicherungsmaßnahmen eingeleitet. Seit Jahresbeginn 1992 ist die HIM GmbH, Bereich Altlastensanierung als Sanierungsträgerin mit der Erkundung und Sanierung des Rüstungsstandortes Hessisch Lichtenau-Hirschhagen/Waldhof durch das Land Hessen beauftragt.
Nach Durchführung und Auswertung von aufeinander aufbauenden, flächenhaften und vertiefenden Untersuchungskampagnen zur Erkundung der Kontaminationssituation (Nitroaromaten, PAK) auf dem Rüstungsaltstandort wurden Sanierungsareale ausgewiesen, für die Sanierungsbedarf besteht. Auf Grundlage der abschließenden Sanierungsuntersuchung wurden Kontaminationsschwerpunkte mit Sanierungsbedarf festgelegt.

Sanierungsziele
Die Ziele für die Bodensanierungsmaßnahmen von 1995 bis 2009 waren:
Ausschluss bzw. Minimierung der Gefährdung von Menschen durch Direktkontakt mit hoch kontaminierten Böden
Verringerung der Schadstoffeinträge in das Grundwasser durch Sickerwasser aus kontaminierten Böden.

Sanierungsverfahren
Um die Sanierungsziele zu erreichen kamen je nach Standort und Kontaminationssituation verschiedene Sanierungstechnologien zum Einsatz:
* Austausch von kontaminierten Material
* Überdeckung mit unbelastetem Bodenmaterial
* Bau von Sicherungs- und Abdichtungselementen
* Immobilisierung und Fixierung der Schadstoffe im Boden
Die Bodensanierung wurde 2009 abgeschlossen.

An diesem Standort
Das Areal hinter dieser Infotafel gehörte während der Produktionszeit zur ehemaligen Säureaufbereitung. Der Boden war hochgradig mit leicht flüchtigen Mononitroaromaten kontaminiert und musste bis zu einer Tiefe von elf Metern komplett ausgetauscht werden. Ein spezielles Bohraustauschverfahren ermöglichte des Aushub des kontaminierten Bodens und die Rückverfüllung mit unbelastetem Material ohne Beeinträchtigung der Bevölkerung durch die leichtflüchtigen Stoffe. Es wurden rd. 4000 Tonnen Boden mittels Bohraustauschverfahren und 12.000 t Boden mit Baggern ausgehoben und ausgetauscht. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand während der Produktionszeit ein TNT-Waschhaus. Auch auf diesem Gelände war der Boden hochgradig durch Nitroaromaten kontaminiert. Der Boden wurde von Baggern ausgehoben und zur Entsorgung abtransportiert. Anschließend wurden die Aushubbereiche mit unbelastetem Boden verfüllt. Hier wurden rd. 12.300 Tonnen Boden ausgetauscht und 1.900 kg kristalliner Sprengstoff geborgen.








Grundwasser Wasseraufbereitung

Grundwasserbeeinträchtigung
Für die Sprengstoffproduktion suchte man Standorte außerhalb von Ballungsräumen mit gutem Wasserdargebot, weil im Herstellungsprozess viel Wasser gebraucht wurde. Deshalb sind im Umfeld solcher Anlagen meistens große Grundwasserreservoire von Verschmutzungen betroffen.

Anlass für die Grundwasserreinigung
Mitte der 60er Jahre wurden im Trinkwasser der umliegenden Gemeinden erstmals Nitroaromaten nachgewiesen. Deshalb mussten die vorhandenen und bis dahin zur Trinkwassergewinnung genutzten Brunnen und Quellfassungen im Nahbereich des Standortes stillgelegt werden. In die ersatzweise Erschließung von Trinkwasservorkommen in der weiteren Umgebung wurden seinerzeit ca. 15 Mio DM (rd. 7,7 Mio EUR) investiert.

Wie kommen die Schadstoffe ins Grundwasser?
Die Schadstoffe sind während der Produktion durch Leckagen, Unfälle, unzureichende Abfalllagerung und Abwasserbehandlung in die Umwelt gelangt. Die unsachgemäßen Demontagearbeiten und Sprengungen nach dem Krieg taten ein Übriges. Die auf diese Weise in flüssiger- (Vorprodukte) wie auch in fester Form (fertiges TNT) in die Umwelt freigesetzten Schadstoffe haben über die Bodenpassage zum Teil direkt den Weg ins Grundwasser gefunden, zum Teil werden sie über lange Zeiträume durch Niederschläge ausgewaschen und gelangen so dorthin.

Was wird unternommen?
Da die Schadstoffe an der Oberfläche eingetragen wurden, gelangen sie zuerst in das obere Grundwasserstockwerk. Deshalb sind hier fast alle Sicherungsbrunnen positioniert. Sie sollen verhindern, dass sich die Schadstoffe in die Tiefe und die weitere Umgebung ausbreiten. Das geförderte Wasser wird über Sammelleitungen zur Wasserreinigungsanlage transportiert und dort durch Adsorption der Schadstoffe an Aktivkohle gereinigt. Die Filter müssen etwa einmal jährlich erneuert werden. Grundwassermessstellen auf dem Standort sowie dessen näherem und weiterem Umfeld dienen der Überwachung der Grundwasserqualität.

Ausblick
Die Ende 1989 in Betrieb gegangene Wasserreinigungsanlage wurde in 2003 durch eine leistungsfähigere Anlage nach dem Stand der Technik ersetzt. Nach Abschluss der Bodensanierung in 2009 ist grundsätzlich von einem Abklingen der Schadstoffnachlieferung in das Grundwasser auszugehen, so dass über die Jahre ggf. einzelne Förderanlagen still gelegt werden können. Eine seriöse Prognose zum Ende des Betriebes kann heute (Stand 2009) jedoch nicht getroffen werden.


An diesem Standort
Das Gebäude 313 diente bis 1945 als Denitrierungsanlage - ein Produktionsschritt im Rahmen der Säureverarbeitung. Aufgrund der schlechten Transport- und Rohstofflage im Krieg gewann die werkseigene Herstellung und Rückgewinnung von Chemikalien an Bedeutung. Daher wurden ab 1940 die Abfallsäuren in der Denitrierungs- und Konzentrationsanlage aufbereitet. Bei der Denitrierung wurde aus gebrauchter Mischsäure mit Hilfe von Druckdampf Schwefelsäure und Salpetersäure wiedergewonnen, die wiederum in den Produktionsprozess eingespeist wurden. Vor dem Gebäude befindet sich ein Feuerlöschteich, der heute überdacht ist und für die Abwasserreinigung bis 2010 genutzt wurde.






Wohnlager
Für die Unterbringung der zahlreichen Bauarbeiter und Arbeitskräfte wurden in der Umgebung bis 1943 zahlreiche Lager und eine Siedlung errichtet, die teilweise heute noch - in ungenutzter Form - existieren. In den Lagern wurden von Freiwilligen bis hin zu Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen alle auswärtigen Arbeiter der Fabrik untergebracht - der Ausbaustandard und die Lagerbedingungen waren für Betriebs- und Bauarbeiter, aber auch für die verschiedenen untergebrachten Nationalitäten sehr unterschiedlich. Von Beginn an waren die Unterbringungskapazitäten immer zu knapp bemessen und improvisiert, so dass zunächst eine Unterbringung in umliegenden Dörfern erfolgte, später eine deutliche Überbelegung der Lager zu verzeichnen war. Jedes Lager hatte einen Lagerführer und einen Wirtschaftsführer. In den Lagern, in denen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene untergebracht waren, stellte die SS die Lagerführer.

Lager aus Steinbauten
Um die zahlreichen Arbeitskräfte unterzubringen, wurden auch feste Gebäude errichtet, die im Kern noch heute stehen. In der Kernstadt Hessisch Lichtenau wurde zwischen 1939 und 1940 das Lager Herzog, benannt nach seinem Architekten, gebaut. Die Pläne waren für 1.000 Personen ausgelegt, während des Krieges waren jedoch bis zu 1.200 Arbeiter in den insgesamt 22 Baracken untergebracht.
Bei Eschenstruth (Gemeinde Helsa) entstand ebenfalls zwischen 1939 und 1940 ein Musterlager mit Namen Waldhof für dienstverpflichtete Frauen aus dem deutschen Reich. Dieses Lager war für 1.500 Personen ausgerichtet. Auch hier waren die Unterkunftsgebäude massiv gebaut. In dem Gemeinschaftshaus mit Küche gab es neben zusätzlichen Wasch- und Baderäumen sogar einen Friseur.
In Fürstenhagen wurde eine richtige Wohnsiedlung für leitende Angestellte errichtet, hier entstanden insgesamt 15 dreigeschossige Mehrfamilienhäuser und vier Einfamilienhäuser für die Leiter des Werkes.

Barackenlager
Das Lager Vereinshaus, ein primitives Barackenlager, entstand ab 1938 auf dem Gelände der heutigen Förderstufe in der Kernstadt und war ursprünglich für 700 Personen vorgesehen, war aber bald mit 1.000 Arbeitern überbelegt. Das Lager diente zusätzlich von 1944 bis 1945 als Außenlager des Konzentrationslager Buchenwald. In einem abgesonderten Teil des Lagers waren in diesem Zeitraum rund tausend ungarische Jüdinnen auf engstem Raum untergebracht. Insgesamt wurde die gesamte Belegungszahl zu diesem Zeitpunkt mit über 1.200 Personen gemeldet, die tatsächliche Belegungszahlen dürften jedoch noch deutlich höher gelegen haben. Die Baracken waren undicht, nahezu nicht geheizt und von Mäusen und Ratten bevölkert. Die Überbelegung war derart dramatisch, dass die Frauen teilweise zu zweit auf engen Holzpritschen schlafen mussten.
Zwischen Hessisch Lichtenau und Fürstenhagen wurde ab 1939 das Lager Teichhof (heute teilweise Areal orthopädische Klinik) errichtet. Weitere Barackenlager entstanden in Föhren, Eschenstruth und Friedrichsbrück. Auch in der "Zigarrenfabrik" in Hessisch Lichtenau und im Lenoir-Stift wurden Arbeitskräfte untergebracht.







Im Wald konnte man einige Ruinen schon von weiten sehen, wobei es ab einer bestimmten Entfernung nicht immer ersichtlich war, wie groß die Ruine und das ehemalige Gebäude war. Die Dächer oder das was davon übrig war waren stark bemoost und mit Stöcken und Laub übersehen.



Da wir auch ein Fernglas dabei hatten, überprüften wir aus der Ferne wo die nächste Ruine stand und wohin wir laufen mussten.


Neben der allgemein Gesichte von Hirschhagen ist aber auch die Bauweise sehr interessant.
Auch wenn viele Gebäude komplett zerstört sind, stehen nicht desto trotz noch sehr viele Mauern und Pfeiler. Man kann erkennen wie massiv die Gebäude erbaut worden sind.


Bei diesem Bereich mussten wir gar nicht lange nach einem Weg suchen ... Man konnte ganz deutlich erkennen, dass schon vor uns viele Menschen diesen Weg gegangen waren, aber es war dennoch Vorsicht geboten ...


Zu den Seiten überall Stahlbewehrung an denen man sich verfangen und verletzten hätte können ...







In manchen Fällen hätte es sicherlich andere Wege gegeben, aber so mancher Weg der im ersten Moment "schwierig" aussah war dann letztendlich doch der bessere Weg, weil es bei einem anderen Weg kein weiterkommen gegeben hätte oder eben sehr weit um die Ruinen herumgeführte, wo es aber auch dann durch verschiedene Erdlöcher ebenfalls schwierig gewesen wäre voranzukommen ...







^ In dem Loch unter diesem "Häuschen" entdecken wir eine Cola-Dose aus den 70er Jahren, das für uns an dem damaligen typischen Verschlussart erkennbar war ...


Und dann stießen auch wir auf das Gebäude, dass wir selbst auch schon auf einigen Fotos und in einigen Videos gesehen hatten ...
Während die anderen schon von außen das Gebäude erkundeten versuchte ich aus der Ferne das Gebäude zu fotografieren, was aber aus der Richtung von der wir kamen nicht so einfach war ... Also entschied ich mich ebenfalls zum Eingang des Gebäudes zu gehen ...


Alle Fenster und Türen waren mit Gittern versehen, einzig diese eine "Tür" war geöffnet ... doch so einfach kam man nicht dort hinein ... Ca. 1,20m hoch war das Fundament und in einer entsprechenden Höhe auch die Tür ... Da ich unter 1,70cm groß bin, ist das für schon eine ungewohnte Höhe ... Ein stabiles Holzstück, das dort bereits war sollte den Einstieg in das Gebäude erleichtern .... Da ich keinerlei Erfahrungen darin habe, an Wänden hochzuklettern und noch dazu extreme Höhenangst habe (ich schaffe es auf einer Leiter gerade mal auf die dritte Sprosse und steige ungerne auf Stühlen/Tischen usw.) ... nahm ich dankend die Hilfestellung meiner männlichen Begleiter an, die aus einer Räuberleiter, Schub- und Hub-Bewegungen bestand... Ja, vielleicht für andere ein wenig zu viel Tamtam, aber sonst wäre ich nicht dort hoch gekommen ... 


Und das Innere des Gebäudes sah doch sehr interessant aus und war bisher im Vergleich zu allen anderen Gebäuden/Ruinen in einem guten Zustand.

^ Das ist übrigens die Aussicht bzw. die Perspektive die man hat, wenn man unten vorm "Eingang" steht wobei ich mich hierbei auch schon etwas größer machen musste um einen interessanteren Blickwinkel zu haben ... der Eingang ist wirklich sehr hoch ...



Trotz meiner Höhenangst setzte ich mich am Rand von einem großen Loch im Boden hin ... Es war der einzige offene Platz am "Fenster" ...



Ich nutzte die Zeit in der die anderen das Gebäude von Innen erkundeten für eine kleine Pause und um einige Fotos mit dem Stativ zu machen ...


Ich wollte unbedingt den gesamten Raum zeigen ... dafür musste ich eine Treppe hochsteigen die natürlich, wie alle anderen Treppen auch, kein Geländer mehr hatte und ein Griff danach ins Nichts führte. In dem Foto unten könnt ihr das sehen ... auch das große Loch ;-)


Sicherlich wäre eine Aufnahme von der Mitte besser gewesen, aber ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich mich nicht dorthin getraut habe...





Während die anderen scheinbar oben herumliefen versuchte ich unten ein kleines "Selfie" von mir aufzunehmen, was tatsächlich nicht so einfach war, da ich das Auslösen der Kamera nicht hörte und immer zu früh loslief und dann die Aufnahme unscharf waren ...


An diesem Platz entschieden wir uns auch mal ein Gruppenfoto zu machen um auch eine gemeinsame Erinnerung von diesem Ausflug zu haben.


Bevor wir wieder aufbrachen eilte ich noch schnell die andere Treppe hoch, die auch in das andere Stockwerk führen sollte und machte einige Aufnahmen ...


Ich hatte mich von Anfang an dagegen entschieden das obere Stockwerk zu erkunden, da es zu keiner Seite einen Halt an der Treppe gegeben hätte und das sich mit meiner Höhenangst gar nicht verträgt ... Aber ich kann euch berichten, dass auch oben einige Stalaktiten und Salagmiten zu sehen waren.




Auch habe ich mir die unterste Etage nicht angesehen. In dieser fanden meine Begleiter allerdings quasi eine "Visitenkarte" - ein Schild mit einer Internetadresse. Die Adresse führte zu einer Maskenbildner Gruppe. Hier hatten mal Rettungsübungen stattgefunden ... Aus diesem Grund war auch der Eingang nicht versperrt. Auch haben meine Begleiter unten einen handgroßen Nachtfalter oder Schmetterling gesehen, allerdings konnte keiner von ihnen ein Foto machen, da Blitzlicht für diese Tiere schädlich ist und ich ja nicht hinunter gegangen bin ... Zudem hätte er sich ohnehin nicht so einfach fotografieren lassen...







Von der oberen Etage des Gebäudes konnte schon der nächste Zielort gesehen werden und auf dem Weg dorthin konnte ich dann doch ein Foto vom gesamten Gebäude machen ... Einige Meter weiter im Wald ist das Gebäude tatsächlich nicht mehr zu sehen, so dicht wachsen die Bäume um das Gebäude wodurch wirklich eine unheimliche Atmosphäre entsteht ...


Dieses kleine "Häuschen" gehört zu den Gebäudeteilen, weswegen es sinnvoll ist auch am Tage eine Taschenlampe dabei zu haben ... Ohne diese hätten wir das "Geheimnis" darum nie richtig wahrgenommen ...


Ein Schacht führte hinunter ... Wie tief lässt sich allerdings auch nicht sagen, da es zu gefährlich gewesen wäre sich soweit über die Mauer zu beugen um das zu erahnen können und wir auch nichts hinunterwerfen wollten.


Es gab an so viel zu sehen, sodass es von jeder Seite aus mal hieß "Kommt mal hier her und schaut euch das an..." ... Es war tatsächlich sehr spannend in diesem Gebiet herumzulaufen. Nicht desto trotz blieben wir im Sichtbereich von mindestens einer anderen Person.




Den letzten Fundort habe ich zufällig entdeckt. Die anderen waren wie man oben auf den Foto sehen kann, über die Ruine geklettert oder haben sie umlaufen ... Wege die ich persönlich nicht gehen wollte, weswegen ich einen anderen Weg suchte ... Dies war auch mit die einzige Situation wo sich unsere Gruppe aufteilte und wir uns kurze Zeit nicht sahen und ich auch dankbar war, dass ich jedenfalls auffällig gekleidet war ... Ich musste den Platz weitläufig umgehen und sah im Wald nichts und niemanden mehr ... Mittels zurufen und pfeifen fanden wir dann doch wieder zusammen. Und wir liefen zu dem Platz den ich entdeckt hatte ...



Überreste einer Treppe ...



In der nähe dieser Treppe befand sich ein "kleiner" Tunnel. Nein das ist nicht das Loch was ihr unter der Treppe sehen könnt, dass ist auf der anderen Seite davon habe ich aber keine Belegfotos, die ich euch zeigen will ;-)

Der Tunnel war etwa 2m bis 2,10 hoch und ca. 10m lang.
Auch in diesem Tunnel bin ich nicht gegangen, weswegen es vom Inneren keine Belegfotos von mir gibt. Aber ja, einige aus der Gruppe haben sich hinuntergewagt, woher ich auch die Informationen habe ... Für mich persönlich war das eine sehr beängstigende Situationen und noch immer muss ich den Kopfschütteln, wenn ich daran denke, wie teilweise leichtsinnig das war ... Wer weiß, was dabei hätte passieren können. Deswegen blieben die, die nicht hinunter gegangen waren stehen und erkundeten das Gebiet nicht weiter... Aber es ist alles gut gegangen dort hatte sich keiner verletzt, nichts ist passiert ... und ich würde niemanden raten das selbige zu machen!!!!


Nicht weit von den Treppen weitere Ruinen ...


Und hier der nächste "Tunnel" ...


... den ich mir ebenfalls nur von oben anschaute und mittels eines "Tricks" fotografierte, damit auch ihr einen Einblick in das Innere bekommen könnt ...


Unten im Tunnel direkt bei der Lucke entdeckten wir einen Schädel, einzig für die Fotodokumentation mit der Spiegelreflex und späteren Deutung wurde der Schädel mit Stöcken und Handschuhen hinausgeholt und später wieder an seinem Platz zurückgebracht.

Ein Wildschweinschädel und ein Wirbelknochen, das aber auch unten blieb.



Der Wildschweinschädel wirkte teilweise versteinert und warf viele Fragen auf ... War das Wildschwein in das Loch gefallen und kam nicht mehr heraus und ist dort verendet? Wurde es vielleicht dort hineingeschleppt - von einem Fuchs vielleicht?! Warum waren nur so wenige Knochen zu sehen, oder waren die noch weiter im Tunnel versteckt? Oder wurde der Wildschweinschädel gar von anderen dort hineingetragen um andere "Verrückte" zu erschrecken?!

Nach weiteren Recherchen (nach unserem Ausflug) sollen in Hirschhagen auf dem Gelände einige "GeoCaches" versteckt sein. Diese Caches' führen unter anderem in einigen Gebieten die wir nicht gesehen haben, aber wer weiß, vielleicht auch in diesen Tunnel hinein?!


Da wir inzwischen schon einige Stunden im Wald unterwegs waren und wir noch eine knapp einstündige Rückfahrt, und für einen Tag schon extrem viele Eindrücke gesammelt hatten, beschlossen wir uns wieder auf den Rückweg zu machen ...


^ Das obere Foto zeigt noch mal wie wichtig es ist aufmerksam zu sein. Wenn man oberhalb mancher Ruinen läuft oder einige besteigt, kann es sein, dass man dann derartige tiefere und größere Löcher sieht ... Hier ist es besonders wichtig vorsichtig zu sein ...





Den Weg aus dem Wald fanden wir zu unser eigenem Erstaunen sehr schnell ...


Und nach diesem Ausflug, auch jetzt, waren wir von dem gesehen sehr beeindruckt, auch wenn die Geschichte um Hirschhagen sehr negativ belastet ist.
Ich persönlich betrachte den Ort mit gemischten Gefühlen und versuche so gut es geht alles getrennt voneinander zu betrachten. Die Umstände die dazu führten, dass die gesamte Anlage Gebaut wurde, was dort produziert wurde und unter welchen Bedingungen, was im nachhinein daraus geworden ist und was alles gemacht wurde um das Gebiet wieder "bewohnbar" zu machen ... Aber auch das was davon bis heute übrig geblieben ist. Wie sehen die Überreste der Gebäude aus ... wie lange dauert der Verfall von derartigen Bauten. Weswegen ich es auch nicht leugnen kann, dass dieses Areal einen guten Einblick auf "Endzeitszenarien" gibt ... Dokumentationen, die man aus dem Fernsehen kennt "Wie die Welt ohne Menschen aussieht" werden hier real.


Nun gut ... Ich hoffe, dass euch der Beitrag gefallen hat und ich euch einen guten Eindruck über Hirschhagen geben konnte und ihr aber auch geschichtlich einiges dazu gelernt habt ;-)

Es werden demnächst noch ein paar weitere Beiträge zu weiteren "Geschichtsausflügen" folgen, aber ich kann euch jetzt schon versichern, dass diese nicht so umfangreich werden wie dieser.
Ich hoffe auch, dass ihr alles gelesen habt und es mir nicht so übel nehmt, dass es so viel zu lesen gab, aber ich denke auch, dass ihr verstehen konntet, dass ich bei den Hintergründen zu Hirschhagen nichts auslassen wollte, obwohl dies bei Weitem noch nicht alles war, aber ich mangels Fotos nicht wiedergeben kann.

Vielen lieben Dank für's Lesen und bis bald!


Keine Kommentare:

Kommentar posten